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RV 1910 MZ-Hechtsheim

 

Der Radfahrer-Verein 1910 Hechtsheim feiert im Juni sein 100jähriges Bestehen. Die Festfolge beginnt am Freitag, 11.06. mit einem ökumenischen Gottesdienst und Kranzniederlegung.

Es folgt am 12. 06. der Jubiläumsabend mit den Ortsvereinen und am 20. Juni der große Festzug. Den Abschluss am 27. Juni bildet das Volksradfahren mit musikalischem Frühschoppen.

 

Die Entstehung des Radfahrer-Vereins 1910 Mainz-Hechtsheim

 

Beim 50jährigen Jubiläumsfest des Männergesangvereins Hechtsheim vom 24. bis 26. Juni 1910 wurde der Grundstein zur Gründung des Vereins gelegt. Mitglieder des M.G.V. und Radsportfreunde taten sich zusammen und fuhren beim Festkommers mit geschmückten Straßenrädern, einheitlich gekleidet, einen 6er Reigen.

 

 

Beim Festzug am Haupttag und montags beim Umzug wirkten sie mit einem geschmückten „Schiffchen“ mit, das in den folgenden Jahren oft gezeigt wurde.

 

Dieser Auftritt hatte einen so großen Erfolg, dass der Gedanke zur Gründung eines Radfahrer-Vereins aufkam.

 

Schon am 02. Juli 1910 wurde eine Gründungsversammlung im Lokal Jakob Kaltenbach, Borngasse, einberufen. Zwölf Radsportbegeisterte waren der Einladung gefolgt, und zwar:

 

 1. Johann Beismann                            2. Jakob Gerlich

 3. Mathias Gerlich                              4. Franz Kaltenbach

 5. Heinrich Kaltenbach                        6. Jakob Keim

 7. Johann Keim                                  8. Nikolaus Klein

 9. Sebastian Klein                             10. Ferdinand Schäfer

11. Jakob Schäfer                              12 Johann Veith

 

Sämtliche Anwesende waren von der Gründung eines Radfahrer-Vereins begeistert, zumal schon Fahrer im Reigen- und Korsofahren beim Jubiläumsfest des M.G.V. Proben ihres Könnens abgegeben hatten. Es wurde einstimmig beschlossen, dem Verein den Namen

 

Radfahrer-Verein 1910 Hechtsheim

 

zu geben.

 

Als erster Präsident  im neuen Verein wurde Jakob Gerlich einstimmig gewählt.

 

Im Laufe der ersten Woche wurden nach einer Veröffentlichung im „Mainzer Anzeiger“ 18 neue Mitglieder in den Verein aufgenommen. Außer den internen Veranstaltungen trat der Verein in den ersten 8 Monaten seines Bestehens nicht an die Öffentlichkeit.

 

Zum Vereinslokal wurde die Gastwirtschaft Jakob Kaltenbach, Borngasse, bestimmt.

 

Durch einen guten Mitgliederzugang konnte sich der Verein im Radsport alsbald entfalten. Man begann mit Reigen-, Renn-, Korso- und Ausflugsfahrten, an denen sich die Vereinsmitglieder rege beteiligten.

 

Laut Protokoll der 1. Generalversammlung vom 16. März 1911 wurde als neuer Präsident Aloys Richardt gewählt.

 

Am 28. Mai 1911 startete der Verein erstmals auswärts und zwar beim Bundesfest in Kostheim. Am gleichen Tag trat der Verein dem Hessischen Radfahrerbund bei.

Im Festzug fuhr der Verein mit 14 Mann und errang in Klasse B im Blumenschmuck den 1. und den Ehrenpreis.

 

Durch diesen ersten Erfolg angeregt wuchs nun der Verein und beteiligte sich an allen Ortsfesten mit seinen Reigenfahrern im 6er und 8er Reigen.

 

Der erste Weltkrieg legte auch die Arbeit des R.V. 1910 lahm. Im November 1914 wurde der Vereinsbetrieb eingestellt.

 

Am 02. August 1919 fand wieder eine Generalversammlung statt, die gut besucht war und das Vereinsleben wieder ankurbelte.

 

Zum 10jährigen Bestehen des Vereins wurde das Bundessportfest des Hessen-Nassauischen Radfahrer-Verbandes am 04. Juli 1920 in Hechtsheim durchgeführt.

 

Die Vereinstätigkeit nahm wieder zu. 22 Radsportler nahmen das Training im Reigen fahren auf. Rennen wurden bestritten, bei denen die RV-Sportler meistens vordere Plätze belegten.

 

Im Sommer 1947 wurde dann mit Genehmigung der französischen Militärregierung die Sportvereinigung Hechtsheim gegründet. Diesem Verein gehörten die Radsportler als Radfahrer-Abteilung an. Dies war die einzige Möglichkeit, wieder Radsport zu betreiben, da die damalige Militärregierung in jeder Ortschaft nur einen Sportverein zuließ. Spartenleiter war damals Karl Bott.

 

Nachdem die Trainingsmöglichkeiten in der Scheune von Hans Veith und der Heuerschule nicht mehr ausreichten, hatten sich die älteren aktiven Sportler mit dem Vorstand des Turnvereins 1882 in Verbindung gesetzt und auf eigene Kosten die Große Turnhalle, die durch Bombenschaden unbenutzbar war, in einen solchen Zustand versetzt, dass dort wieder Training möglich war.

 

Zu diesem Zeitpunkt waren mehrere Reigen- und Radball-Mannschaften im Verein tätig. In der Folgezeit wurden dann in der Großen Turnhalle mehrere Schüler- und Jugendradball-Turniere veranstaltet.

 

In den folgenden Jahren verzeichnete der Verein große sportliche Erfolge. Bei Meisterschaften konnten die Sportlerinnen und Sportler des RV durchweg beste Plätze belegen. 

 

 

Anfang des Jahres 1960 hatte der Verein große Schwierigkeiten um geeignete Trainingszeiten in den Hechtsheimer Sälen für seine zahlreichen Sportler zu erhalten. Zwei von drei vorhandenen Sälen wurden zwischenzeitlich von ihren Besitzern an Firmen vermietet, so dass die Mitglieder des RV 1910 in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 19. Mai 1962 beschlossen, eine eigene Halle zu bauen.

Die Gemeinde stellte das erforderliche Gelände im Wege des Erbbaurechts zur Verfügung. Die Arbeiten begannen am 09. Februar 1963 mit dem Abriss der alten, auf dem Baugelände stehenden Halle. Mit über 10.000 Stunden Eigenleistung und einem finanziellen Aufwand von nahezu DM 100.000 - gedeckt durch Eigenkapital, Spenden, Zuschüsse und Darlehen - wurde die Radsporthalle in 1 ½ jähriger Bauzeit erstellt.
Damit war eines der größten und wichtigsten Kapitel der Vereinsgeschichte vollendet. Ihm folgte noch im Jahr 1966 der Bühnenanbau und im Jahr 1977 der Anbau eines Lagerraumes und einer kleinen Küche sowie ein Windfang vor der Gaststätte.

 

Mit der Inbetriebnahme der Radsporthalle hatten nunmehr alle Sportler des Vereins die Möglichkeit, den Trainingsrückstand der letzten Jahre aufzuholen. Dass dem so war und von jetzt ab die Zahl der Sportler beträchtlich zunahm, sei hier wohl vermerkt.

Unermüdlich arbeiteten die Fahrwarte an ihren Schützlingen und konnten in den kommenden Jahren viele Erfolge erzielen. Die Zahl der Sportveranstaltungen in der eigenen Halle nahm nun gegenüber den Vorjahren beträchtlich zu.

 

Zu den seit 1950 fast jährlich durchgeführten internationalen Radball-Turnieren der aktiven Klasse und dem seit 1951 veranstalteten alljährlichen Jugend-Turnier kam im Jahr 1967 noch das internationale Radball-Turnier um den „Großen Etex-Preis“, das sich im In- und Ausland großer Beliebtheit erfreute und im Jahr 1978 der Radballpreis des Möbelhauses Reichelt dazu.

 

Zu weiteren Radball-Turnieren wurden folgende Sponsoren gewonnen:

 

1997-2002 „HECHT-CUP“ mit Werner`s Backstuben,

 

ab 2002 „Heinz-Lemb-Preis“ zu Ehren des 1997 so früh verstorbenen Radballers mit dem Weingut  Lemb/ Becker.

 

Die Zahl der Teilnehmer aus dem RV an den Deutschen Meisterschaften ist in den Jahren von 1965 bis heute fast konstant geblieben. Die Zahl der errungenen Meisterschaften und Platzierungen hat sich vermehrt.

 

Als besonders erwähnenswert seien hier noch einige Tatsachen angeführt, die das Bild über das Vereinsgeschehen mit all seinen Aktivitäten in sportlicher Hinsicht vervollkommnen.

 

In den letzten Jahren wurde die Radsporthalle mit erheblichem Aufwand renoviert und saniert und hierfür erhielt der Verein erfreulicherweise Geldzuwendungen seitens der Stadt Mainz, dem Land Rheinland-Pfalz, den Sportverbänden und den Mitgliedern.

 

Radball Mainz-HechtsheimBeim Rückblick auf die Vereinsgeschichte seit dem Bestehen, kann der Radfahrer-Verein 1910 eine erfolgreiche radsportliche Betätigung seiner Mannschaften mit Genugtuung und Zufriedenheit verzeichnen.
Zu den Leistungssteigerungen hat auch die gute Kameradschaft unter den aktiven Mitgliedern wesentlich dazu beigetragen. So möge der Verein auch weiterhin, getreu seiner Überlieferung es als eine besondere Aufgabe betrachten, den Radsport und die Kameradschaft zu fördern und damit zur sportlichen Ertüchtigung ihrer Jugend beitragen.

 

Der Verein zählt im Jubiläumsjahr 282 Mitglieder, davon sind 40 aktive Sportlerinnen und Sportler sowie 27 Ehrenmitglieder.

 

 

Quelle: RV 1910 Mz-Hechtsheim

Foto: RV 1910

 

 

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